Naturschutzgebiet Hausener Aachried

Bild des Naturschutzgebietes

Im Tal der Hegauer Aach sind zwischen Aachtopf und Mündung in den Untersee entlang des Flusses immer wieder große Feuchtgebiete aufgereiht, die eine ganz besondere Lebensraumvielfalt aufweisen.

Das "Hausener Aachried" am nördlichen Stadtrand von Singen ist solch ein wertvoller Landschaftsbereich. Es wurde im Jahre 1979 zum weiteren Erhalt der Feucht- und Streuwiesen mit einer Fläche von rund 50 ha als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Aufgrund seiner Nähe zur Stadt bietet das Ried auch vielen Menschen die Möglichkeit zur Naherholung.


Auenbiotope

Die Entwässerungen und Flusskorrekturen in der Vergangenheit veränderten die Aach und ihr Tal und ließen die von Natur aus hier vorkommenden Riede und Auwälder fast vollständig verschwinden. Die heute noch verbliebenen Schilf-, Wald- und Gebüschformationen werden von Vogelarten wie Rohrammer, Teich- und Sumpfrohrsänger, Dorngrasmücke, Nachtigall und Pirol als Brutstätten genutzt. Auch Graureiher, Schwarz- und Rotmilan sowie die Kornweihe sind regelmäßig im Ried anzutreffen. Auch in Gräben, Kleingewässern und naturnahen Uferabschnitten der Aach haben einige "Ureinwohner" überdauert. So finden sich hier noch seltene Libellen-, Fisch- und Amphibienarten.

Naturschutz- und Wasserwirtschaftsverwaltung fuhren seit 1991 gemeinsam das "Wasserwirtschaftlich-Ökologische Entwicklungskonzept" (WÖK) durch, damit die Hegauer Aach an vielen Stellen wieder ein naturnahes Bett entwickeln und Auebiotope bilden kann.

Auch ein neues Modell der "Riedpflege" wurde eingeführt:

Auf Initiative des Naturschutzbunds Deutschlands (NABU) und eines Landwirts wurde eine Gesellschaft für Mutterkuhhaltung gegründet, die eine Herde von Hinterwälder-Rindern als "Landschaftspfleger" weiden lässt.

Die Beweidung lässt unterschiedlichste Blüh- und Pflanzenaspekte entstehen, die besonders der Insektenwelt förderlich sind. Auch der Landwirt freut sich über den guten Absatz des schmackhaften Fleisches in der Direktvermarktung.

Die Erhaltung der Vielfalt im Ried erfordert eine intensive Betreuung. Diese Aufgabe hat die Ortsgruppe Singen/Radolfzell des NABU im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg übernommen. Neben der Bestandsaufnahme von Tieren und Pflanzen werden auch naturkundliche Führungen abgehalten.

Pflanzen:

Die nur noch einmal jährlich gemähten Nass- und Feuchtwiesen stellen als Pfeifengras-Streuwiesen den magersten und artenreichsten Wiesentyp des Hausener Aachrieds dar.

Sie bieten Pflanzen wie Teufelsabbiss, Blutwurz, Fleischfarbenes Knabenkraut und Pfeifengras einen heute seltenen Lebensraum für ausnahmslos Arten, die speziell an Nährstoffarmut angepasst sind.
Auf den feuchten und mäßig nährstoffreichen Kohldistelwiesen und Silgenwiesen sind ebenfalls eine Reihe charakteristischer und bedrohter Pflanzen vertreten wie:

  • Kuckuckslichtnelke
  • Kümmelsilge
  • Großer Wiesenknopf
  • Bachnelkenwurz
  • Sumpfdotterblume
  • Heil-Ziest
  • Wiesenschaumkraut

Wiesenbrüter:

Die ausgedehnten Wiesenflächen dienen als Rast-, Überwinterungs-, Brut- und Nahrungsraum für Wiesenvögel wie:

  • Wachtel
  • Schwarz- und Braunkelchen
  • Kiebitz
  • Grauammer, die mittlerweile zu den meistbedrohten Tierartengruppen unserer Kulturlandschaften gehören.

Bis 1975 brüteten hier noch Großer Brachvogel und Bekassine, die an ihren Lebensraum Feuchtwiese hohe Anforderungen stellen.


Das Aachried im Landschaftswandel

Noch Heute bietet das Aachried Raum für eine große Biotop- und Artenvielfalt

Die Urlandschaft

Gewaltige Schmelzwasserabflüsse des Rheingletschers haben während der Eiszeit den Talzug der Hegauer Aach ausgeräumt und die Kiese der Singener Schotterebene abgelagert.
Der hohe Grundwasserstand ließ an vielen Stellen Sümpfe, Niedermoore und flussbegleitende Wälder entstehen. Bevor sich die Menschen hier niedergelassen haben, bedeckten diese große Teile der Niederung.

Mehrmals im Jahr trat die Aach über die Ufer und überflutete den Urwald. Die in Flussschleifen (Mäandern) fließende Aach schuf immer wieder Rinnen, Kiesbänke und Inseln und ließ anderswo stille Altarme zurück, die langsam verlandeten.

Die Anfänge der Wissenschaft

Seit dem fühen Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde das Aachried als „schlechtes“ Wiesen- und Weideland genutzt.
Die Flächen waren nass und Stallmist war für die Düngung solcher Flächen viel zu kostbar.
Viel Ertrag gab’s aus dem Aachried nicht, aber es reichte für die Nutzung als Weideland oder für einen Wiesenschnitt pro Jahr.

Ihre Blüte...

Später – gegen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts – veränderten sich in der Landwirtschaft die Bewirtungsmethoden:
Die mageren Nasswiesen und –weiden wurden entwässert und stärker gedüngt.

Die Wiesen konnten nun zweimal geschnitten werden und gaben recht gutes Futter für das Vieh.
Teilweise richteten die Bauern ausgeklügelte Grabensysteme zur Be- und Entwässerung ihrer Wiesen ein, die ihnen vielfältige Vorteile boten: Auf diesen „Wässerwiesen“ kam im Frühjahr das Auftauen des Bodens und das Pflanzenwachstum früher in Gang.

Das Wasser brachte wertvolle Nährstoffe mit, Mäuse und Maulwürfe richteten weniger Schaden an. Im Hochsommer konnten die Wiesen so feucht gehalten werden, dass es für ein ordentliches Öhmd reichte.

und ihr Niedergang

Die heutige intensive Grünlandwirtschaft setzt wirkungsvolle Drainage und Düngung, sowie die Befahrbarkeit der Flächen mit großen Maschinen und drei oder mehr Wiesenschnitte im Jahr voraus.
Da dies auf den Grenzertragsböden des Hausener Aachrieds nicht zu erfüllen war, wurden viele Wiesen aufgegeben und blieben sich selbst überlassen.

Inzwischen breiten sich dort Hochstauden, Schilf und Gehölze aus – die alte Feuchtwiesenlandschaft verändert sich nachhaltig, lässt aber Raum für eine große Biotop- und Artenvielfalt.