Naturschutzgebiet Hohentwiel

Impressionen
Abendstimmung am Hohentwiel
copyright by Frank Müller

Der Hohentwiel steht seit 1941 mit einer Fläche von 108 ha unter Naturschutz.

Er bietet mit seiner Festungsruine, den schroffen Felswänden, dem urtümlichen Wald und den blütenreichen Magerrasen außergewöhnliche Lebensbedingungen für eine ganz besondere Pflanzen- und Tierwelt und ein faszinierendes Kultur- und Naturerlebnis. In reizvollem Kontrast dazu stehen die blütenreichen Magerrasen, die Weinberge und das alte Hofgut mit seinen Schafen.

Pflege und Betreuung des Naturschutzgebietes

Die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege (BNL) Freiburg sorgt für die Betreuung des Schutzgebiets.

Zu ihren Aufgaben gehört es, die Nutzung mit dem Schutzziel abzustimmen und notwendige Schutz- und Pflegemaßnahmen durchzuführen. Dafür bedarf es regelmäßiger Beobachtungen und Kontrollen im Gebiet. Bei dieser Arbeit wird die BNL von ehrenamtlichen Naturschutzwarten des NABU unterstützt.

Doch auch jeder Besucher kann seinen persönlichen Beitrag leisten:

  • Erfreuen Sie sich an der Natur; aber bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wanderwegen.
  • Nehmen Sie Ihren Abfall wieder mit!
  • Pflücken oder entnehmen Sie keine Pflanzen!
  • Nehmen Sie Ihren Hund an die Leine!
  • Machen Sie kein offenes Feuer!
  • Zelten und lagern Sie nicht!

Lebensraum Magerrasen

Ein naturkundlicher Höhepunkt sind die Magerrasen der Südhänge. Die frühere Beweidung brachte sehr vielgestaltige und seltene Rasengesellschaften hervor.

Typische Arten der Volltrockenrasen sind Gold-Aster und Blaugrünes Labkraut; Arten wie der Zottige Spitzkiel oder das Ohrlöffel-Leinkraut sind am Hohentwiel inzwischen aber verschollen bzw. kurz vor dem Aussterben.

Eine weit größere Fläche als die Volltrockenrasen nehmen die Halbtrockenrasen ein. Typische Vertreter dieser Gesellschaft sind die Futter-Esparsette, Karthäuser-Nelke und Tauben-Skabiose.

Die Magerrasen des Hohentwiels untersuchte auch schon J. Braun-Blanquet, der Begründer der modernen Pflanzensoziologie.

Lebensraum Fels

Flachgründiger, teilweise erodierter (Roh-) Boden, blanker Fels und Hangschutt kennzeichnen die kargen Lebensbedingungen an den Hängen des Hohentwiels.

Trockenstress, Nährstoffmangel, am Südhang auch große Hitze, manchmal Steinschlag und Rutschungen bewirken, dass hier Pflanzen vorkommen, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Alpen, am Mittelmeer oder in den südosteuropäischen Steppen haben.

Den "Lebensraum Fels" teilen sich mehrere hoch spezialisierte Pflanzengesellschaften:
In den sonnen-exponierten Felsspalten wächst die Habichtskraut-Felsflur mit Trauben-Steinbrech und Dickblättriger Fetthenne , auf den grusigen Felssimsen kann sich eine Gesellschaft mit Kelch-Steinkraut und Mauerpfeffer behaupten.

Bei etwas günstigeren Bedingungen treten Polster von Berg-Steinkraut, Weißer Fetthenne, Grauem Fingerkraut und Siebenbürger Perlgras auf.
Eng mit der Felsbandgesellschaft verzahnt, findet sich an den unzugänglichen Felsköpfen und in geschützten Nischen die farbenprächtige Pfingstnelke. Bewegte Steinschuttflächen werden von der Schildampfer-Flur eingenommen.

Bedrohte Tierarten auf dem Hohentwiel

  • Glänzende Sandbiene
  • Rote Schneckenhausbiene
  • Wespenbiene
  • Italienische Schönschrecke
  • Rotflügelige Ödlandschrecke
  • Wanderfalke
  • Berglaubsänger

Schafzucht auf der Domäne Hohentwiel

Das landeseigene Hofgut, die Domäne Hohentwiel, wird seit 1969 als Schäferei bewirtschaftet.

Der Betrieb legt heute im Sinne des Naturschutzes große Sorgfalt in die Pflege der Kulturlandschaft und wirtschaftet in geschlossenen Stoffkreisläufen.
Die 600 Schafe und 30 Ziegen des Hofes zuzüglich ihres Nachwuchses verreichten dabei den „Hauptteil“ der Arbeit. Sie „mähen“ die ausgedehnten Fettweiden, Magerrasen und Streuobstwiesen und verhindern so auf über 100 ha Weidefläche im bestehenden und geplanten Naturschutzgebiet die Verbuschung. 

Weinbau

Zu den alten Landbauverfahren am Hohentwiel gehört ohne Zweifel auch der Weinbau. Seine Geschichte reicht nachweislich bis ins Jahr 1005 n. Chr. zurück! Die heutigen Weinberge an den Süd- und Südostlagen des Tuffbergs haben sich zeitweise viel weiter den Hang hinauf erstreckt und erreichten im 17. Jh. mit 19 ha ihre maximale Ausdehnung.

Heute befinden sich auf den ehemals höchsten Rebterrassen Trockenrasen und Magerweiden und nur einzelne Weinbergsmauern zeugen von der früheren Bewirtschaftung.

Dennoch können sich die im Naturschutzgebiet verbliebenen 7 ha Weinberge mit 550 m Meereshöhe als Deutschlands höchstgelegenes Weinbaugebiet rühmen. Sie werden vom Staatsweingut Meersburg und vom Weingut Vollmayer bewirtschaftet. Das Weingut Vollmayer wurde 2013 nach dreijähriger Umstellungsphase für den ökologischen Anbau zertifiziert und mit dem Bio-Siegel ausgezeichnet. Das landeseigene Weingut verzichtet wo möglich auf Herbizidanwendungen, restauriert Trockenmauern und bereichert das Rebgelände mit Wildkrautstreifen und Gebüschinseln.

Aufforstung & Bannwald

Dort, wo sich bis Ende des 19. Jh. nicht von selbst Wald eingestellt hatte, forstete man die Steilhänge zum Schutz vor Steinschlag auf. Eine bunte Mischung mit vielen Exoten wie Gleditschie, Schwarznuss und Götterbaum wurde verwendet, die seither fast alle wieder verschwunden sind. Nur die Robinie hat bis heute überdauern können.

Je nach vorangegangener Nutzung und Standortvoraussetzungen haben sich Gehölze und Hochwälder entwickelt.

Am felsigen Südhang findet sich auf den exponiertesten Felsnasen das Felsenbirnen-Gebüsch, weniger extreme Stellen werden von Schlehen-Liguster-Gebüsch mit Stieleiche, Mehlbeere und Esche eingenommen, wobei die Bäume kaum über Strauchgröße hinauswachsen.

Unterhalb in den Schuttfeldern dominieren Hasel, Sommerlinde und Spitzahorn.

Auf den feinerdereichen Böden der Nord- und Ostseite befinden sich die ältesten Waldbereiche des Hohentwiels. Neben der Sommerlinde wachsen hier anspruchsvolle Baumarten wie Bergulme und Bergahorn.


Informationen zum Download

Karte der FFH- und Vogelschutzgebiete auf dem Hohentwiel
(NATURA 2000)

Würdigung des Naturschutzgebietes Hohentwiel,
verfasst anlässlich der Neufassung der Gebietsverordnung von der Höheren Naturschutzbehörde.

Jahresbericht 2012 des Naturschutzgebietes Hohentwiel des NABU,
Gruppe Radolfzell - Singen - Stockach.

Naturschutzrechtlichen Eingriffs-/Ausgleichsbilanzierung,
erstellt anlässlich des Baus des Fluchtweg-Treppenturms beim Hohentwielfest.


Weiterführende Links

Hier geht es zu ausführlichen Informationen über das Naturschutzgebiet, das ebenfalls zum europäischen Naturschutznetz NATURA 2000 gehört (Quelle Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg).

Hier erfahren Sie mehr über NATURA 2000, das europäische Schutzgebietsnetz.